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Gezielt Trends setzen

Freitag 15.11.2019 Christian Walter
Christian Walter

Christian Walter ist Geschäftsführer und Redaktionsleiter von swiss made software. Bis Ende 2010 arbeitete er als Fachjournalist für das ICT-Magazin Netzwoche, publizierte zuletzt aber auch im Swiss IT Magazin, der Computerworld sowie inside-it.

Wer ein ERP einsetzt, erwartet heute genauso Nachhaltigkeit wie Innovation. Abacus setzt dafür auf eine Mischung aus überlegter technologischer Planung und viel Freiraum für die Mitarbeitenden bei der Umsetzung.

«Wir wollen vor allem Trends setzen. Dafür wählen wir die passende Technologie», erklärt Philipp Zwahlen, Co-Leiter Entwicklung bei Abacus. Beispiel AbaWeb: 2007 war dies eine der ersten Schweizer SaaS-Lösungen. Hier konnten sich Firmenkunden bei ihrem Treuhänder direkt einloggen und beispielsweise ihre Bilanzen prüfen, während der Treuhänder weiterhin die Buchhaltung machte. 

Vorangetrieben wird der Innovationsprozess bei den St. Gallern von der eigenen Innovationsabteilung, die direkt dem CEO unterstellt ist. Diese prüft neue Konzepte und Technologien und entwickelt Prototypen, um die eigenen Annahmen zu prüfen. Stimmt die Stossrichtung, wird die Umsetzung in die Teams weitergegeben. 

Diese sind entlang der verschiedenen ERP-Module organisiert (Finanzbuchhaltung, Lohn, Debitoren/Kreditoren, Immobilien etc.) und weitgehend autonom. «Wir schauen unseren Leuten nur wenig auf die Finger. Es gibt ein klares Ziel und dann heisst es: Mach es cool».

Der eigenen Nase folgen

Ein Beispiel ist die 2018 lancierte HR-Lösung. Mit Vaadin wurde ein spezifisches Framework gewählt, dann ein Prototyp gebaut, auf dessen Basis das verantwortliche Team eine ganze Lösung entwickelte.
Die Team-Autonomie geht so weit, dass es kein unternehmensweites Konzept für Softwareentwicklung gibt. Die Teams selbst entscheiden, ob sie Scrum, Kanbaan oder eine andere Methode einsetzen.

Die Abacus Innovationsstruktur hängt eng mit der Natur des Unternehmens als Produkthersteller zusammen. «Wir müssen unseren Kunden Nachhaltigkeit garantieren, deshalb treffen wir langfristige Technologieentscheide. Jedem Hype zu folgen, ist schlecht fürs Geschäft», betont Zwahlen. Dabei hat sich diese Vorsicht schon mehrfach ausgezahlt. «Wir haben immer wieder Tools und Frameworks selbst gebaut, obwohl es Lösungen am Markt gab. Diese verschwanden aber nach wenigen Jahren wieder. Wären wir damals den offensichtlichen Weg gegangen, hätten wir massive Probleme bekommen.» 

Neben der Nachhaltigkeit gibt es aber noch einen weiteren Grund für die Art der Technologiewahl: die Komplexität der Materie. «Bis sich jemand mit einem Modul wirklich auskennt, vergeht Zeit. Die Entwickler müssen nicht nur die Technik, sondern auch den Prozess und das regulatorische Umfeld verstehen», so Zwahlen.

Gegenentwürfe und Herausforderungen

Dieses Tiefenwissen wiederum ist der Grund, wieso die Weiterentwicklung der Produkte im Wesentlichen von den Teams ausgeht. «Die Technologie ist der Rahmen, um das Produkt voranzubringen.»

Abacus lebt somit einen Gegenentwurf zu gängigen IT-Weisheiten wie etwa, dass nur Unternehmen vorankommen, die technologisch auf die neuesten Trends setzen, oder dass nur solche Unternehmen junge Mitarbeitende anziehen. «Wir haben sehr viele Junge und die Fluktuation ist niedrig», so Zwahlen. 

Das Unternehmen zeigt sich ausserdem offen, wenn Mitarbeitende intern wechseln wollen, zum Beispiel wenn ein ganz neues Team aufgestellt wird; so geschehen bei der bereits erwähnten HR-Lösung. Hier kam die Hälfte der Mitarbeitenden von ausserhalb, die anderen wechselten intern. «Wer die Herausforderung sucht, kommt auch zum Zug», bestätigt Zwahlen.

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