Die erfolgreiche Ausschreibung

Montag 23.02.2015 Walter Duss

Walter Duss, lic. oec. HSG, Senior Project Manager & Consultant, Netcetera

Staatliche Softwarebeschaffungen dauern zu lange und sind deswegen häufig veraltet, bevor sie in Betrieb gehen, sie sind zu teuer – auch für viele Anbieter – und misslingen oft. Erfolgreiche Softwarebeschaffung trotz WTO-Korsett – ist das möglich?

Das Dreigespann Kosten, Zeit und Qualität prägt den Erfolg einer Ausschreibung.

Was macht eine erfolgreiche Ausschreibung aus? Sie ist vergleichbar mit einer Idee:  Ihre  Genialität  zeigt  sich erst bei deren Umsetzung. Was zeichnet aber eine erfolgreiche Umsetzung aus? In der Praxis  ist  es  das Dreigespann Kosten,  Zeit und Qualität, welches in Kombination und in gegenseitiger Abhängigkeit den Erfolg der Umsetzung prägt. Das bedeutet, das Projektergebnis in der orgegebenen Zeit, in der vereinbarten Qualität und zum vertraglich festgelegten Preis zu liefern.

Was nicht sein kann, darf nicht sein

Wichtigste  Vorbedingung  ist  hingegen, das Richtige auszuschreiben. Immer wieder wird in der öffentlichen Verwaltung in  Verkennung  der  Realitäten  aus der Anforderungsanalyse nach Standardsoftware gesucht, wo es keinen Standard gibt. Fundierte Marktabklärungen und ehrliche Bewertung der daraus gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzungen, um nicht in diese Falle zu tappen. Oft werden  aus Softwareeinführungsprojekten nach einer ernüchternden und schmerzhaften Selbsterkenntnis letztlich Softwareentwicklungsprojekte. Zu oft ist der Wunsch Vater des Gedankens und nicht die ehrliche Analyse. Es ist letztlich ein hilfloser Versuch das eigene Kaufrisiko zu minimieren.

Intangibilität erhöht das kundenseitig wahrgenommene Kaufrisiko

Softwarebeschaffung ist de facto Dienstleistungsbeschaffung. Eine Dienstleistung ist intangibel.  Bei  einer  Dienstleistung wie der Entwicklung oder dem Kauf einer Softwarelösung erhält der Kunde zunächst nur das Versprechen, dass die für ihn entwickelte Lösung seinen Erwartungen genügen wird. Aufgrund der Intangibilität ist das wahrgenommene Kaufrisiko für Kunden bei Dienstleistungen  höher als beim Kauf von Sachleistungen, weil Dienstleistungen  eher  Vertrauens- und Erfahrungseigenschaften aufweisen, wohingegen Sachleistungen eher mit Sacheigenschaften behaftet sind. 

Worauf setzt die Privatwirtschaft?

Die Privatwirtschaft schreibt «preferred supplierships» aus. Damit schafft man die Basis, um Dienstleistungsqualität messen zu können, und gute Dienstleistungsqualität über längere Perioden schafft Vertrauen. Zentral ist die eigene konzeptionelle Kompetenz für die Wahl der «richtigen» Software: Gute Softwarelösungen haben eine tragfähige Architektur und passen in den Softwarebebauungsplan der Organisation. Umsetzungserfahrung und -kompetenz mit professionellem Projektmanagement bleibt Schlüsselfaktor. 

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