Eine Kultur der Sicherheit

Donnerstag 06.11.2014 Christian Walter
Christian Walter

Christian Walter ist Geschäftsführer und Redaktionsleiter von swiss made software. Bis Ende 2010 arbeitete er als Fachjournalist für das ICT-Magazin Netzwoche, publizierte zuletzt aber auch im Swiss IT Magazin, der Computerworld sowie inside-it.

Die Enthüllungen zur NSA Spionageaffäre zeigen klar, das Datensicherheit neu gedacht werden muss. Davon kann nicht nur der Export Schweizer Sicherheitsprodukte profitieren, sondern auch die Einlagerung ausländischer Daten.

Sicherheit gehört in der Schweiz genauso zum kulturellen Selbstverständnis wie Schokolade und Qualitätsanspruch. Die Dinge haben ihren Platz und müssen ordentlich gemacht sein. Das gilt für die hohe Lebensqualität als auch für den wirtschaftlichen und politischen Rahmen, der dieses Land zu einem sicheren Hafen für Investitionen macht. Auf technischer Ebene manifestiert sich das bei den Schweizer Banken, deren IT-Security-Systeme im internationalen Vergleich zu den besten gehören. Trojaner und Phishing-Angriffe gibt es zwar auch hier, der Geldabfluss ist aber gering, bestätigt Melani, die Schweizer Melde- und Analysestelle Informationssicherung. Andernorts hängen die Früchte einfach tiefer.

Dieser hohe Sicherheitsstandard ist aber nicht immer ein Plus – gerade im Export. Hierzulande ist er der Natur der Schweizer Wirtschaft und gesetzlichen Auflagen geschuldet. Andernorts kommt man auch mit weniger durch. Firmen wie Ergon können davon ein Lied singen. Auf dem deutschen Markt ziehen gewisse Technologien erst jetzt an, die bei hiesigen Unternehmen schon lange gesetzt sind. Noch weiter zurück liegen die USA. Selbst Finanzdrehscheiben wie Singapur sind noch lange nicht bei Schweizer Standards angekommen, berichtet die dort tätige AdNovum. Interessanterweise sind beide Unternehmen erfolgreich im Ausland tätig – auch wenn sie teilweise zuerst ein Bewusstsein schaffen mussten für die Probleme, die sie lösen können.

Standortfaktor Datensicherheit

Ähnliches geht es unblu. Das Start-up hat Live-Kollaboration im Bereich gesicherter Transaktionen im Visier. Zum Beispiel bei Online-Einkäufen und -Zahlungen. Die Technologie ist schon international bei führenden Banken im Einsatz. Auch das Desktop-Monitoring-Produkt von Nexthink verbreitet sich international sehr gut. Dennoch existiert vielerorts noch kein Bewusstsein für Lösungen im Sicherheitsbereich aus der Schweiz.

Im Zuge der Spionageaffaire um NSA und GCHQ könnte sich das jetzt allerdings ändern. Vor allem wenn man die Implikationen dieser Dauerüberwachung mit dem anhaltenden Umzug in die Cloud kombiniert. Sicherheit ist und bleibt ein Bedürfnis für viele Unternehmen. Jetzt ist klar, dass man amerikanischen Unternehmen kein Vertrauen entgegenbringen kann. Mit anderen Worten: Es eröffnet sich ein riesiger Markt für europäische und gerade Schweizer Produkte. Profitieren kann aber nicht nur der Export. Die Chancen stehen gut, Daten aus aller Welt in die Schweiz zu locken. Deshalb ist es praktisch, dass es schon vor den Enthüllungen Bestrebungen gab, die Schweiz zum sicheren Hafen für Clouddaten zu machen. Der rasante Ausbau hiesiger Rechenzentren (RZ) könnte diese Entwicklung unterstützen. 20 Prozent soll das jährliche Wachstum bis 2015 betragen, wie das Schweizer Marktforschungsinstitut MSM Research in seiner letzten Studie zum hiesigen RZ-Markt («Datacenter Outlook 2012») schrieb. Und warum auch nicht? Der «Data Haven» Schweiz bietet ideale Rahmenbedingungen: ein hohes Sicherheitsniveau, politische und wirtschaftliche Stabilität sowie ein starkes Datenschutzrecht.

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