Auf dem Weg zur Datenfreiheit

Montag 09.11.2015 Martin Baumgartner
Martin Baumgartner

Leiter eGovernment, Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen (VRSG)

Der Datenschatz von Behörden und Verwaltung wird auch in der Schweiz zunehmend frei verfügbar. Die vollen Vorteile spielt Open Government Data aber erst aus, wenn die Daten anwendungsgerecht aufbereitet werden.

Open Government Data steht im Schnittpunkt von Verwaltung, Bevölkerung und Politik.

Das Konzept «Open Government Data» (OGD) verspricht der Bevölkerung im Sinne des Öffentlichkeitsprinzips einen transparenten Einblick in die Tätigkeit der öffentlichen Hand, soll Unternehmen die Entwicklung neuer Angebote ermöglichen und so einen gesellschaftlichen und wirt-schaftlichen Nutzen schaffen.Nachdem verschiedene Regierungen OGD-Initiativen gestartet haben, gewinnt die Idee auch in der Schweiz an Bedeutung. So stellt der Bund unter opendata.admin.ch ein Portal mit derzeit 1841 Datensätzen zu diversen Themen zur freien Nutzung bereit. Die Daten können für Auswertungen und Visualisierungen verwendet werden oder als Basis für neue Anwendungen dienen.

Aufbereitung zwingend

Die Datenbestände stammen von zahlreichen Softwarelösungen mit vielen Schnittstellen und Datenstrukturen und sind je nach Quelle unterschiedlich aktuell – mit anderen Worten: Die Rohdaten liegen nicht in einheitlicher Qualität vor. Standards, die eine durchgängige Datenqualität, einheitliche Schnittstellen und damit eine gute Verfügbarkeit garantieren, fehlen weitgehend.Die Rohdaten müssen zudem für die jeweilige Anwendung passend aufbereitet werden. So identifiziert etwa das Bundesamt für Statistik (BfS) Gemeinden anhand einer Gemeindenummer – Bürger und Wirtschaft denken aber in Postleitzahlengebieten, die nicht immer aus den BfS-definierten Grenzen abzuleiten sind.

Das Fazit: Es erfordert Aufwand, die Rohdaten so anzupassen und in Bezug zu setzen, dass sie für nachvollziehbare Darstellungen und Anwendungen genutzt werden können. Die blosse Offenlegung der vorhandenen Datensätze bringt per se noch zu wenig Mehrwert.

Praktischer Nutzen ergibt sich vor allem, wenn Daten aus OGD-Beständen sinnvoll mit Angaben aus Bevölkerung und Wirtschaft kombiniert werden. Das Beispiel von Schadenmeldungen zeigt den Mehrwert, den Anbieter wie die VRSG durch Datenaufbereitung und Visualisierung generieren: Ein Bürger stellt einen Schaden fest – etwa eine defekte Strassenbeleuchtung oder Vandalismus – und möchte ihn melden. Er fotografiert die Situation mit dem Smartphone. Ergänzt mit GPS-Standortdaten erfolgt eine Verknüpfung mit den Gebäude-, Tiefbau- oder Strassendaten. Der Fall kann so automatisch der zuständigen Stelle übergeben werden. Alle gemeldeten Fälle und deren Stand sind über die mobile Lösung öffentlich zugänglich.

Die OGD-Community ist bisher stark von Behörden und verwaltungsnahen Unterneh men geprägt. Der Dialog mit der Privat-wirtschaft, die mit Hilfe der OGD-Informationen Anwendungen entwickeln und ihrerseits eigene Daten zur Verfügung stellen soll, findet erst punktuell statt. Die vollen Vorteile kann OGD dann ausspielen, wenn öffentliche Hand und Wirtschaft verstärkt zusammenarbeiten.

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